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Südafrika – Rennradabenteuer rund um Kapstadt

  • Autorenbild: marcelgertsch
    marcelgertsch
  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Stunde

26.02 um 19:25 Uhr hob der Flieger in Zürich pünktlich ab. Über Nacht ging es Richtung Süden und fast ohne Zeitverschiebung landeten wir in Kapstadt sogar überpünktlich.


Die Reise hatte ich über das Pässeportal quäldich.de gebucht. Termin, Umfang und Programm trafen genau das, was ich gesucht hatte. Für mich ist das die ideale Kombination, wenn man sich vor Ort voll aufs Fahren konzentrieren möchte und trotzdem ein durchdachtes Gesamtpaket schätzt.


Am Flughafen traf ich bereits die ersten Teilnehmenden, die auf demselben Flug angereist waren. Der Shuttle verlief reibungslos und kurze Zeit später standen wir schon vor dem Hotel. Dort ging es direkt ans Eingemachte. Velokoffer auf, Rahmen raus, Laufräder rein und Pedalen anbringen - fertig. Sobald das Rad wieder auf eigenen Rädern steht, fühlt sich alles nach Reisebeginn an.


Mit einer kleinen Gruppe zog es uns danach spontan in ein Café. Aus einem einfachen Kaffeeplan wurde mehr. Wir entschieden uns kurzfristig, uns einer Stadtführung anzuschliessen, um Kapstadt nicht nur als Postkartenmotiv zu erleben, sondern auch etwas tiefer zu verstehen.


Die Tour war eindrücklich und gleichzeitig nachdenklich. Kapstadt ist faszinierend, lebendig und überraschend vielseitig, doch die Geschichte ist spürbar präsent. Besonders die Auseinandersetzung mit der Apartheid blieb hängen.



Zurück im Hotel hiess es Zimmer beziehen, kurz durchschnaufen und dann weiter zur Besprechung. Diese wurde von Jan geleitet, dem Tourorganisator und Gründer von quäldich.de. Wir erfuhren, wie die nächsten Tage ablaufen, was organisatorisch wichtig ist und wie das Programm aufgebaut ist. Anschliessend folgte die Gruppeneinteilung. Rund 30 Teilnehmende können sich einer von drei Leistungsgruppen anschliessen. Ich habe mich fürs Erste für die 1. Gruppe entschieden. Mal schauen, ob ich das nach den ersten Etappen immer noch so sehe.


Für den ersten Ride am nächsten Morgen wurde der Rahmen klar gesteckt. Start um 08:30 Uhr, 115 Kilometer und rund 1500 Höhenmeter. Ein solider Auftakt, genügend lang, um anzukommen, und genügend anspruchsvoll, um gleich Ernst zu machen.


Damit auch genügend Energie vorhanden ist, ging es zum Abendessen ins Restaurant Black Sheep. Jan hatte es gross angekündigt und ich kann es so unterschreiben. Sehr stark, geschmacklich auf den Punkt und genau das Richtige nach einem Reisetag.


Bis anhin lief alles sehr smooth. Flug, Transfer, Aufbau, Stadt, Organisation, Essen. Jetzt freue ich mich auf die kommenden Tage, auf neue Strassen, neue Anstiege und auf genau diese Mischung aus Feriengefühl und strukturiertem Leiden, die eine Rennradreise so besonders macht.


2. Tag – Rund um Kapstadt, zwischen Ozean und Skyline

Um 08:30 Uhr ging es los. Der erste offizielle Ride stand an – eine geführte Tagestour rund um Kapstadt. Unsere Gruppe 1 wurde von Daneel angeführt, ein waschechter Kapstädter.


Zur Akklimatisierung starteten wir mit einer Erkundungsfahrt auf der Kap-Halbinsel. Der erste Abschnitt führte uns entlang der Küste Richtung Misty Cliffs. Der Name ist Programm. Schroffe Felsen, das tiefe Blau des Atlantiks und eine Weite, die man in Europa selten so erlebt.


Weiter ging es über den Chapman’s Peak Drive. Eine Strasse, die sich in perfekter Linienführung an die Felsen klammert, Landschaftlich spektakulär. Immer wieder dieser Blick hinunter aufs Meer, kombiniert mit sauberen, rhythmischen Kurven – Rennradkino vom Feinsten.


In Scarborough legten wir unseren Coffee Break ein. Kleines, entspanntes Küstendorf-Flair, guter Kaffee und ein Stück Carrot Cake, das mehr als nur symbolisch zur Energieversorgung beitrug. Die Stimmung in der Gruppe war gelöst. Man merkte, dass alle Lust hatten nicht nur auf Kilometer, sondern auf das Gesamtpaket.


Zurück ging es auf gleichem Weg entlang der beeindruckenden Küste. Kurz vor Kapstadt wartete noch ein letzter Höhepunkt, der Anstieg hinauf zum Signal Hill.


Oben angekommen, eröffnete sich ein Aussichtspunkt über Kapstadt und seine gesamte Ausdehnung, vom Hafen über die City bis hinaus in die Vororte. Die Skyline, der Ozean, das Licht, all das zusammen ergibt ein Bild, das sich einprägt.


Danach folgte eine rasante Abfahrt zurück Richtung Hotel. Am Ende standen 108 Kilometer und rund 1500 Höhenmeter auf dem Tacho. Eine perfekte Einrollrunde. Anspruchsvoll genug, um die Beine zu wecken, und gleichzeitig so abwechslungsreich, dass man die Kilometer fast nebenbei sammelt.


Kapstadt hat am ersten Tag definitiv geliefert.


3. Tag – Von Kapstadt nach Franschhoek, zwischen Eskorte und Regenwolken


Um 08:30 Uhr ging es los. Zuerst wurden die Koffer und das Tagesgepäck in die Begleitfahrzeuge verladen. Alles lief routiniert, jeder Handgriff sass. Heute stand der Transfer von Kapstadt ins Winelands-Gebiet an, sportlich natürlich.


Ein besonderes Highlight gleich zu Beginn. Alle Gruppen gemeinsam mit Polizeieskorte aus Kapstadt hinaus. Eine Kolonne von Rennradfahrern, sauber geführt, vorne und hinten abgesichert hat was.


Die Stimmung war allerdings etwas gedämpfter als am Vortag. Ein guter Teil der Gruppe war von einem Magen-Darm-Infekt betroffen oder hatte zumindest mit dem Verdacht zu kämpfen, dass beim Essen nicht alles ganz optimal gewesen war. Auch ich hatte nach einer unruhigen Nacht in den frühen Morgenstunden ordentlich zu kämpfen. Keine ideale Ausgangslage für 120 Kilometer. Mit einer Kohletablette im Bauch und dem Prinzip Hoffnung sollte die Fahrt jedoch zu überstehen sein.


In Bloubergstrand machten wir die erste Pause. Dort entstand das obligatorische Gruppenfoto im gelben Rahmen mit dem Tafelberg im Hintergrund.


Danach ging es erneut auf die von der Polizeieskorte abgeschirmte Autobahn. Eine ungewohnte, aber effiziente Lösung, um als grosse Gruppe sicher aus dem Ballungsraum zu kommen. Nach rund 40 Kilometern war die Eskorte nicht mehr notwendig, und wir wechselten wieder auf die üblichen Strassen. Gleichzeitig formierten sich die Leistungsgruppen 1, 2 und 3.


Das Tempo war gut, aber kontrolliert, trotz starken Gegenwind. Zumindest für die meisten. Ich selbst hatte aufgrund der Magenprobleme mehr zu kämpfen als mir lieb war. Jeder Anstieg fühlte sich etwas länger an, jeder Antritt etwas härter. Entsprechend war ich froh, als der Lunchstopp bei der Koelenhof Winery erreicht wurde.


Während andere sich eine solide Mahlzeit gönnten, blieb ich defensiv. Ein einfaches Brötchen und ein paar Salzbrezeln. Kein Risiko eingehen, Flüssigkeit nachführen, Puls unten halten. Manchmal ist Schadensbegrenzung die eigentliche Tagesaufgabe.


Nach einer kurzen Pause ging es weiter Richtung Stellenbosch. Eigentlich wäre eine kleine Sightseeing-Runde durch die charmante Universitätsstadt geplant gewesen. Doch die sich auftürmenden Regenwolken bewegten uns dazu, direkt weiterzufahren. Das Ziel war klar, rechtzeitig über den Helshoogte Pass und hinunter nach Franschhoek.


Der Anstieg selbst war landschaftlich eindrücklich, eingebettet zwischen Weinbergen und markanten Felsformationen. Leider holten uns die Regenwolken ein, bevor wir auf der Passhöhe waren. Innerhalb kürzester Zeit waren wir durchnässt. Nasse Schuhe, klamme Finger, aber immerhin, der Magen hielt.


Als wir schliesslich in Franschhoek einrollten, war die warme Dusche am Zielort mehr als verdient.


Der Tag endete unspektakulär. Kein Abendessen, keine langen Gespräche. Direkt ins Bett, auskurieren und hoffen, dass sich der Körper bis zum nächsten Morgen wieder sortiert.


Am Ende standen dennoch 120 Kilometer und rund 1100 Höhenmeter auf dem Tacho. Ein durchzogener Tag, sportlich solide, körperlich fordernd, mental ein kleiner Härtetest. Manchmal gehört genau das zu einer Rennradreise dazu


4. Tag – Sonnenschein, schöne Passfahrt und ein Braai zum Abschluss


Ich fühlte mich deutlich besser, und der Tag begrüsste uns mit blauem Himmel und Sonnenschein. Was für ein Kontrast zu gestern. Die gleiche Gegend zeigte sich plötzlich in einem völlig anderen Licht. Freundlich, weit und fast schon kitschig schön.


Um 09:00 Uhr ging es wieder in der Gruppe 1 los. Nach einer kurzen Abfahrt folgte bereits der erste Fotostopp beim Huguenot Memorial Monument in Franschhoek. Ein markanter Bau der an die hugenottischen Einwanderer erinnert. Mit dem klaren Himmel im Hintergrund ein perfekter Auftakt.


Der Franschhoek Pass wurde uns im Vorfeld als schöne Klettergelegenheit angepriesen. Leider ist er derzeit für Radfahrer gesperrt, sodass wir die Stadt auf dem gleichen Weg verliessen, auf dem wir am Vortag im Regen angekommen waren. Diesmal jedoch bei Sonnenschein und mit einem komplett anderen Eindruck. Was gestern grau und schwer wirkte, präsentierte sich heute lebendig und weit.


In moderatem Tempo rollten wir Richtung Bain’s Kloof Pass. Die Stimmung in der Gruppe war entspannt, die Beine drehten rund und auch mein Magen meldete sich nicht mehr negativ. Ein kurzer Kaffeestopp, Flüssigkeit nachfüllen und dann ging es in den Anstieg.


Der Bain’s Kloof Pass ist verkehrsarm und landschaftlich ein echtes Highlight. Weder Steigungsprozente noch Länge sind besonders anspruchsvoll, zumindest nicht im Vergleich zu alpinen Pässen. Doch genau das macht ihn ideal, um im Rhythmus zu klettern und die Umgebung zu geniessen. Felsformationen, weite Täler, das Gefühl von Weite und Ruhe.


Leider liessen sich weder Paviane noch Leoparden blicken. Vielleicht besser so, zumindest aus Rennradfahrer-Perspektive.


Oben angekommen wurde kurz verpflegt, bevor wir uns gemütlich in die Abfahrt stürzten. Flüssig, übersichtlich, gut einsehbare Kurven, genau so, wie man es mag. Ein kurzer Stopp beim Dacre se Preekstoel, einer markanten Felsformation, rundete den Pass-Abschnitt ab.


Die restlichen Kilometer führten uns Richtung Slanghoek. Doch bevor Pool und Massage warteten, stand noch eine letzte Prüfung an. Die Rampen hoch zum Goudini Spa. Über 20 Prozent Steigung zeigen auch hier, dass Südafrika nicht nur Panorama, sondern auch Biss kann. Noch einmal alles sammeln, sauber treten, nicht verkrampfen und dann war es geschafft.


Der Magen war ruhig, die Sonne schien, die Beine funktionierten. Ein Tag, der rund lief.


Am Abend wartete noch ein weiteres Highlight. Ein traditionelles Braai, zubereitet von Daneel. Fleisch auf dem Grill, lockere Atmosphäre, gute Gespräche.


Am Ende standen 100 Kilometer und rund 1000 Höhenmeter auf dem Tacho. Ein erfolgreicher Tag, sportlich stimmig, landschaftlich beeindruckend und kulinarisch mehr als würdig abgeschlossen.


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Zuerst tut es weh, dann verändert es dich.

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