Südafrika – Rennradabenteuer rund um Kapstadt
- marcelgertsch
- 28. Feb.
- 13 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 19 Stunden
26.02 um 19:25 Uhr hob der Flieger in Zürich pünktlich ab. Über Nacht ging es Richtung Süden und fast ohne Zeitverschiebung landeten wir in Kapstadt sogar überpünktlich.
Die Reise hatte ich über das Pässeportal quäldich.de gebucht. Termin, Umfang und Programm trafen genau das, was ich gesucht hatte. Für mich ist das die ideale Kombination, wenn man sich vor Ort voll aufs Fahren konzentrieren möchte und trotzdem ein durchdachtes Gesamtpaket schätzt.
Am Flughafen traf ich bereits die ersten Teilnehmenden, die auf demselben Flug angereist waren. Der Shuttle verlief reibungslos und kurze Zeit später standen wir schon vor dem Hotel. Dort ging es direkt ans Eingemachte. Velokoffer auf, Rahmen raus, Laufräder rein und Pedalen anbringen - fertig. Sobald das Rad wieder auf eigenen Rädern steht, fühlt sich alles nach Reisebeginn an.
Mit einer kleinen Gruppe zog es uns danach spontan in ein Café. Aus einem einfachen Kaffeeplan wurde mehr. Wir entschieden uns kurzfristig, uns einer Stadtführung anzuschliessen, um Kapstadt nicht nur als Postkartenmotiv zu erleben, sondern auch etwas tiefer zu verstehen.
Die Tour war eindrücklich und gleichzeitig nachdenklich. Kapstadt ist faszinierend, lebendig und überraschend vielseitig, doch die Geschichte ist spürbar präsent. Besonders die Auseinandersetzung mit der Apartheid blieb hängen.
Zurück im Hotel hiess es Zimmer beziehen, kurz durchschnaufen und dann weiter zur Besprechung. Diese wurde von Jan geleitet, dem Tourorganisator und Gründer von quäldich.de. Wir erfuhren, wie die nächsten Tage ablaufen, was organisatorisch wichtig ist und wie das Programm aufgebaut ist. Anschliessend folgte die Gruppeneinteilung. Rund 30 Teilnehmende können sich einer von drei Leistungsgruppen anschliessen. Ich habe mich fürs Erste für die 1. Gruppe entschieden. Mal schauen, ob ich das nach den ersten Etappen immer noch so sehe.
Für den ersten Ride am nächsten Morgen wurde der Rahmen klar gesteckt. Start um 08:30 Uhr, 115 Kilometer und rund 1500 Höhenmeter. Ein solider Auftakt, genügend lang, um anzukommen, und genügend anspruchsvoll, um gleich Ernst zu machen.
Damit auch genügend Energie vorhanden ist, ging es zum Abendessen ins Restaurant Black Sheep. Jan hatte es gross angekündigt und ich kann es so unterschreiben. Sehr stark, geschmacklich auf den Punkt und genau das Richtige nach einem Reisetag.
Bis anhin lief alles sehr smooth. Flug, Transfer, Aufbau, Stadt, Organisation, Essen. Jetzt freue ich mich auf die kommenden Tage, auf neue Strassen, neue Anstiege und auf genau diese Mischung aus Feriengefühl und strukturiertem Leiden, die eine Rennradreise so besonders macht.
2. Tag – Rund um Kapstadt, zwischen Ozean und Skyline
Um 08:30 Uhr ging es los. Der erste offizielle Ride stand an – eine geführte Tagestour rund um Kapstadt. Unsere Gruppe 1 wurde von Daneel angeführt, ein waschechter Kapstädter.
Zur Akklimatisierung starteten wir mit einer Erkundungsfahrt auf der Kap-Halbinsel. Der erste Abschnitt führte uns entlang der Küste Richtung Misty Cliffs. Der Name ist Programm. Schroffe Felsen, das tiefe Blau des Atlantiks und eine Weite, die man in Europa selten so erlebt.
Weiter ging es über den Chapman’s Peak Drive. Eine Strasse, die sich in perfekter Linienführung an die Felsen klammert, Landschaftlich spektakulär. Immer wieder dieser Blick hinunter aufs Meer, kombiniert mit sauberen, rhythmischen Kurven – Rennradkino vom Feinsten.
In Scarborough legten wir unseren Coffee Break ein. Kleines, entspanntes Küstendorf-Flair, guter Kaffee und ein Stück Carrot Cake, das mehr als nur symbolisch zur Energieversorgung beitrug. Die Stimmung in der Gruppe war gelöst. Man merkte, dass alle Lust hatten nicht nur auf Kilometer, sondern auf das Gesamtpaket.
Zurück ging es auf gleichem Weg entlang der beeindruckenden Küste. Kurz vor Kapstadt wartete noch ein letzter Höhepunkt, der Anstieg hinauf zum Signal Hill.
Oben angekommen, eröffnete sich ein Aussichtspunkt über Kapstadt und seine gesamte Ausdehnung, vom Hafen über die City bis hinaus in die Vororte. Die Skyline, der Ozean, das Licht, all das zusammen ergibt ein Bild, das sich einprägt.
Danach folgte eine rasante Abfahrt zurück Richtung Hotel. Am Ende standen 108 Kilometer und rund 1500 Höhenmeter auf dem Tacho. Eine perfekte Einrollrunde. Anspruchsvoll genug, um die Beine zu wecken, und gleichzeitig so abwechslungsreich, dass man die Kilometer fast nebenbei sammelt.
Kapstadt hat am ersten Tag definitiv geliefert.
3. Tag – Von Kapstadt nach Franschhoek, zwischen Eskorte und Regenwolken
Um 08:30 Uhr ging es los. Zuerst wurden die Koffer und das Tagesgepäck in die Begleitfahrzeuge verladen. Alles lief routiniert, jeder Handgriff sass. Heute stand der Transfer von Kapstadt ins Winelands-Gebiet an, sportlich natürlich.
Ein besonderes Highlight gleich zu Beginn. Alle Gruppen gemeinsam mit Polizeieskorte aus Kapstadt hinaus. Eine Kolonne von Rennradfahrern, sauber geführt, vorne und hinten abgesichert hat was.
Die Stimmung war allerdings etwas gedämpfter als am Vortag. Ein guter Teil der Gruppe war von einem Magen-Darm-Infekt betroffen oder hatte zumindest mit dem Verdacht zu kämpfen, dass beim Essen nicht alles ganz optimal gewesen war. Auch ich hatte nach einer unruhigen Nacht in den frühen Morgenstunden ordentlich zu kämpfen. Keine ideale Ausgangslage für 120 Kilometer. Mit einer Kohletablette im Bauch und dem Prinzip Hoffnung sollte die Fahrt jedoch zu überstehen sein.
In Bloubergstrand machten wir die erste Pause. Dort entstand das obligatorische Gruppenfoto im gelben Rahmen mit dem Tafelberg im Hintergrund.
Danach ging es erneut auf die von der Polizeieskorte abgeschirmte Autobahn. Eine ungewohnte, aber effiziente Lösung, um als grosse Gruppe sicher aus dem Ballungsraum zu kommen. Nach rund 40 Kilometern war die Eskorte nicht mehr notwendig, und wir wechselten wieder auf die üblichen Strassen. Gleichzeitig formierten sich die Leistungsgruppen 1, 2 und 3.
Das Tempo war gut, aber kontrolliert, trotz starken Gegenwind. Zumindest für die meisten. Ich selbst hatte aufgrund der Magenprobleme mehr zu kämpfen als mir lieb war. Jeder Anstieg fühlte sich etwas länger an, jeder Antritt etwas härter. Entsprechend war ich froh, als der Lunchstopp bei der Koelenhof Winery erreicht wurde.
Während andere sich eine solide Mahlzeit gönnten, blieb ich defensiv. Ein einfaches Brötchen und ein paar Salzbrezeln. Kein Risiko eingehen, Flüssigkeit nachführen, Puls unten halten. Manchmal ist Schadensbegrenzung die eigentliche Tagesaufgabe.
Nach einer kurzen Pause ging es weiter Richtung Stellenbosch. Eigentlich wäre eine kleine Sightseeing-Runde durch die charmante Universitätsstadt geplant gewesen. Doch die sich auftürmenden Regenwolken bewegten uns dazu, direkt weiterzufahren. Das Ziel war klar, rechtzeitig über den Helshoogte Pass und hinunter nach Franschhoek.
Der Anstieg selbst war landschaftlich eindrücklich, eingebettet zwischen Weinbergen und markanten Felsformationen. Leider holten uns die Regenwolken ein, bevor wir auf der Passhöhe waren. Innerhalb kürzester Zeit waren wir durchnässt. Nasse Schuhe, klamme Finger, aber immerhin, der Magen hielt.
Als wir schliesslich in Franschhoek einrollten, war die warme Dusche am Zielort mehr als verdient.
Der Tag endete unspektakulär. Kein Abendessen, keine langen Gespräche. Direkt ins Bett, auskurieren und hoffen, dass sich der Körper bis zum nächsten Morgen wieder sortiert.
Am Ende standen dennoch 120 Kilometer und rund 1100 Höhenmeter auf dem Tacho. Ein durchzogener Tag, sportlich solide, körperlich fordernd, mental ein kleiner Härtetest. Manchmal gehört genau das zu einer Rennradreise dazu
4. Tag – Sonnenschein, schöne Passfahrt und ein Braai zum Abschluss
Ich fühlte mich deutlich besser, und der Tag begrüsste uns mit blauem Himmel und Sonnenschein. Was für ein Kontrast zu gestern. Die gleiche Gegend zeigte sich plötzlich in einem völlig anderen Licht. Freundlich, weit und fast schon kitschig schön.
Um 09:00 Uhr ging es wieder in der Gruppe 1 los. Nach einer kurzen Abfahrt folgte bereits der erste Fotostopp beim Huguenot Memorial Monument in Franschhoek. Ein markanter Bau der an die hugenottischen Einwanderer erinnert. Mit dem klaren Himmel im Hintergrund ein perfekter Auftakt.
Der Franschhoek Pass wurde uns im Vorfeld als schöne Klettergelegenheit angepriesen. Leider ist er derzeit für Radfahrer gesperrt, sodass wir die Stadt auf dem gleichen Weg verliessen, auf dem wir am Vortag im Regen angekommen waren. Diesmal jedoch bei Sonnenschein und mit einem komplett anderen Eindruck. Was gestern grau und schwer wirkte, präsentierte sich heute lebendig und weit.
In moderatem Tempo rollten wir Richtung Bain’s Kloof Pass. Die Stimmung in der Gruppe war entspannt, die Beine drehten rund und auch mein Magen meldete sich nicht mehr negativ. Ein kurzer Kaffeestopp, Flüssigkeit nachfüllen und dann ging es in den Anstieg.
Der Bain’s Kloof Pass ist verkehrsarm und landschaftlich ein echtes Highlight. Weder Steigungsprozente noch Länge sind besonders anspruchsvoll, zumindest nicht im Vergleich zu alpinen Pässen. Doch genau das macht ihn ideal, um im Rhythmus zu klettern und die Umgebung zu geniessen. Felsformationen, weite Täler, das Gefühl von Weite und Ruhe.
Leider liessen sich weder Paviane noch Leoparden blicken. Vielleicht besser so, zumindest aus Rennradfahrer-Perspektive.
Oben angekommen wurde kurz verpflegt, bevor wir uns gemütlich in die Abfahrt stürzten. Flüssig, übersichtlich, gut einsehbare Kurven, genau so, wie man es mag. Ein kurzer Stopp beim Dacre se Preekstoel, einer markanten Felsformation, rundete den Pass-Abschnitt ab.
Die restlichen Kilometer führten uns Richtung Slanghoek. Doch bevor Pool und Massage warteten, stand noch eine letzte Prüfung an. Die Rampen hoch zum Goudini Spa. Über 20 Prozent Steigung zeigen auch hier, dass Südafrika nicht nur Panorama, sondern auch Biss kann. Noch einmal alles sammeln, sauber treten, nicht verkrampfen und dann war es geschafft.
Der Magen war ruhig, die Sonne schien, die Beine funktionierten. Ein Tag, der rund lief.
Am Abend wartete noch ein weiteres Highlight. Ein traditionelles Braai, zubereitet von Daneel. Fleisch auf dem Grill, lockere Atmosphäre, gute Gespräche.
Am Ende standen 100 Kilometer und rund 1000 Höhenmeter auf dem Tacho. Ein erfolgreicher Tag, sportlich stimmig, landschaftlich beeindruckend und kulinarisch mehr als würdig abgeschlossen.
5. Tag – Tempo auf der R60 und ein roter Stuhl
Der Tag startete früh. Bereits um 05:30 Uhr gab es Morgenessen, begleitet von einem imposanten Sonnenaufgang über den Bergen von Slanghoek. Die ersten Lichtstrahlen tauchten die Landschaft in warme Farben, und spätestens da war klar, das wird ein guter Tag.
Obwohl die Nacht noch unruhig war hat sich der Magen beruhigt. Entsprechend entspannt konnte ich mich auf die Etappe freuen.
Die Strecke von Slanghoek nach Montagu wurde im Vorfeld als eher unspektakuläre Flachetappe angekündigt. Aus meiner Sicht zu Unrecht. Zwar führte ein grosser Teil über die R60, eine Schnellstrasse, die auf der Karte wenig Charme verspricht. Doch in der Praxis sah das anders aus.
Gut abgeschirmt vom Begleitfahrzeug und mit sauber funktionierenden Ablösungen kamen wir zügig voran. Die Gruppe lief rund, jeder übernahm Verantwortung im Wind, die Wechsel funktionierten.
So zügig, dass die Mittagsverpflegung bereits kurz nach 10 Uhr stattfand. Ein etwas ungewohnter Zeitpunkt. Der Stopp war dafür umso origineller, eine schöne Raststätte mit dem grössten roten Stuhl Afrikas als Blickfang. Natürlich durfte das obligatorische Gruppenfoto nicht fehlen.
Nach der kurzen Pause ging es weiter, mit einem kleinen Schlenker via Bonnievale. Und hier zeigte die Region ihr eigentliches Gesicht. Weinanbaugebiete, weite Felder, faszinierende Felsformationen im Hintergrund. Die Strasse zog sich sanft durch die Landschaft, und obwohl es topografisch keine grossen Herausforderungen gab, wurde es landschaftlich nie langweilig.
Das Tempo blieb hoch, aber kontrolliert. Nach knapp vier Stunden erreichten wir unser Ziel in Montagu.
Am Zielort erwartete uns neben einer wohltuenden Massage ein nettes kleines Hotel mit viel Charme. Besonders willkommen war der Pool, der nach über 120 Kilometern genau das Richtige war, um die Beine etwas zu lockern und den Körper herunterzufahren.
Das Abendessen war ebenfalls im Hotel. Lecker und genau auf die Bedürfnisse eines Rennradfahrers abgestimmt. Dennoch hiess es früh ins Bett zu gehen. Denn morgen steht die Königsetappe bevor: 193 Kilometer und 2300 Höhenmeter. Frühstück um 05:00 Uhr. Der Wecker wird gnadenlos sein.
5. Tag – Königsetappe durch die Weite Südafrikas
Die Königsetappe stand an: 193 Kilometer und rund 2300 Höhenmeter. Entsprechend früh klingelte der Wecker. Frühstück um 05:00 Uhr, Abfahrt um 06:15 Uhr.
In der Dämmerung rollten wir los, durch Weinberge und Obstplantagen rund um Montagu. Die Luft war noch kühl, die Strassen ruhig, und das Feld sortierte sich langsam.
Der Burgers Pass bot eine willkommene Aufwärmgelegenheit. Der erste Fotostopp bot ein herliche Aussicht über das Tal bevor es Richtung Passhöhe weiterging.
Auch die zweite Passhöhe des Rooihoogte Pass bewältigten wir zügig. Die Pässe lassen sich angenehm befahren, da sowohl Steigung als auch Länge moderat sind.
Nach einer rasanten Abfahrt erreichten wir die N1, eine Autobahn, auf der wir aus Sicherheitsgründen erneut von zwei Polizeieskorten begleitet wurden. Auch diesen stärker befahrenen Abschnitt von rund 12 Kilometern liessen wir rasch hinter uns.
Danach begann eines der einsamsten Stücke der gesamten Reise. Ein Schild kündigte 68 Kilometer bis zur nächsten Ortschaft Ceres an. Zwischendurch wurden wir wie gewohnt vom Begleitfahrzeug vorzüglich verpflegt.
Die Strecke führte durch das Aquila Private Game Reserve, jedoch hatten wir leider kein Glück und die Tierwelt blieb uns verborgen.
Weiter zum Mitchell’s Pass, ein kurzer Anstieg gefolgt von einer schnellen Abfahrt auf einer recht belebten Strasse. Danach öffnete sich die Landschaft erneut in diese typisch südafrikanische Weite.
Wir machten weiter ordentlich Tempo und brachten somit die 193km in beachtlichen 7h Fahrzeit hinter uns. Massage, Poolzeit und Abendessen haben wir uns damit mehr als verdient. Die Unterkunft, das Cape Dutch Quarters bot dabei ein spezielles Abiente.
Tag 6
Nach der gestrigen Anstrengung ging es heute ein wenig später los. Um 9:30 Uhr starteten wir in Richtung Bainskloof Pass. Doch schon nach dem ersten Kilometer passierte es. Eine kleine Unachtsamkeit führte dazu, dass sich unser Guide Daneel und Oskar, unser „Junior“, ineinander verkeilten. Daneel ging dabei zu Boden. Glück im Unglück, ausser ein paar Schürfungen konnte er zum Glück weiterfahren.
Schlimmer traf es Oskar. Bei seinem Rad war die hintere Strebe gebrochen, womit eine Weiterfahrt leider nicht mehr möglich war.
Den Bainskloof Pass kannten wir ja bereits vom Montag, diesmal nahmen wir ihn jedoch von der anderen Seite in Angriff. Der Anstieg zog sich, bot aber wie schon zuvor eindrückliche Ausblicke. Beim Preekstoel, dem markanten Felsüberhang, holten wir dann die Gruppen 2 und 3 wieder ein, die uns zuvor an der Unfallstelle passiert hatten.
Nach einer kurzen Verpflegung auf der Passhöhe machten wir uns an die Abfahrt. Mit dem morgendlichen Sturz noch im Hinterkopf gingen es alle etwas vorsichtiger und mit der nötigen Zurückhaltung an.
Anschliessend führte uns die Strecke weiter durch Wellington und schliesslich nach Paarl. Mit gerade einmal 73 km war die Etappe fast schon ein kleiner Ruhetag.
Ich machte mich jedoch noch mit einer kleinen Gruppe auf, dem Vorschlag von Daneel zu folgen. So machten wir uns zusätzlich noch daran, den Du Toitskloof Pass zu bezwingen. Am Ende standen dann doch wieder 120km mit 1460 Höhenmeter auf dem Tacho und aus dem „Ruhetag“ wurde wieder eine richtig schöne Runde.
7. Tag – Zurück nach Kapstadt, mit Eskorte und Vorfreude aufs Rennen
Nach dem Aufstehen nieselte es noch leicht. Als wir dann losfuhren, war es jedoch trocken, und wir blieben unterwegs vom Regen verschont. Gute Voraussetzungen also für die Rückfahrt nach Kapstadt.
Die Etappe selbst war nicht mehr allzu herausfordernd. Das Motto war klar, Kräfte sparen für das Rennen. Der einzige wirkliche Fixpunkt unterwegs war das Treffen mit unserer Polizeieskorte, die uns anschliessend sicher durch Kapstadt begleiten sollte.
Ganz so locker wollte ich es dann aber doch nicht angehen. Gemeinsam mit Michael machte ich etwas mehr Tempo, mit dem Ziel, die vor uns gestarteten Gruppen bis zum Kaffeestopp noch einzuholen. Ganz gereicht hat es nicht. Gruppe 3 konnten wir noch stellen, Gruppe 2 hatte den Kaffeestopp jedoch bereits vor uns erreicht.
Danach ging es, sicher eskortiert von der Polizei, weiter Richtung Kapstadt. Ein weiterer Halt durfte natürlich nicht fehlen, das Erinnerungsfoto beim gelben Rahmen mit dem Tafelberg im Hintergrund.
Im Grand Africa Café & Beach stiessen wir schliesslich bei einem Apéro riche auf die Erlebnisse der vergangenen Tage an. Noch einmal wurden Geschichten ausgetauscht, Etappen rekapituliert und erste Strategien für das geschmiedet.
Anschliessend stand noch ein wichtiger organisatorischer Programmpunkt an: die Startnummernausgabe und der Besuch der Expo der Cape Town Cycle Tour im DHL Stadium. Danach ging es zurück ins Hotel.
8. Tag – Ruhetag zwischen Waterfront und Camps Bay
Heute hiess es vor allem eins, Kräfte sparen. Ein offizielles Programm stand nicht an, sodass jeder den Tag nach seinem Gusto gestalten und Kapstadt noch einmal auf eigene Faust erkunden konnte.
Ich nutzte den Morgen zunächst für einen Abstecher an die Waterfront. Ein wenig shoppen, herumflanieren, die Atmosphäre aufsaugen, genau das Richtige für einen entspannten Ruhetag. Danach ging es weiter an einen Farmer’s Market, wo ich auch gleich den Lunch einnahm. Die Wahl fiel auf einen Bagel, und der war ausgesprochen lecker. Manchmal sind es gerade die einfachen Dinge, die besonders gut passen.
Am Nachmittag zog es mich noch einmal ans Meer. Ein klassischer Beach-Nachmittag stand an, und dafür ging es nach Camps Bay Beach. Einfach nur wow. Diese Küstenlandschaft mit den Stränden, dem klaren Licht und den Bergen im Hintergrund ist schon enorm eindrücklich.
Danach hiess es zurück ins Hotel, das Rad rennfertig machen, nochmals gut verpflegen und früh ins Bett - der Renntag wird früh beginnen.
9. Tag – Renntag - Cape Town Cycle Tour
Der Höhepunkt der Reise stand an, die Cape Town Cycle Tour. 109 Kilometer mit gut 1100 Höhenmetern, eines der schönsten Rennen weltweit – so hiess es im Vorfeld. Und um es gleich vorwegzunehmen, das kann ich bestätigen. Was für eine Strecke auf der Kap-Halbinsel, und das auf komplett abgesperrten Strassen.
Der Tag begann früh. Um 05:00 Uhr hiess es frühstücken, und um 06:15 Uhr trafen wir uns mit denjenigen, die im Startblock 4E eingeteilt waren, also bei den internationalen Teilnehmenden, vor dem Hotel, um gemeinsam zum Startgelände zu rollen.
Dort angekommen wurde schnell klar, wie gross dieser Anlass tatsächlich ist. 30’000 Teilnehmer in den unterschiedlichsten Kategorien und mit ganz verschiedenen Ambitionen. Von sehr ambitioniert bis gemütlich unterwegs, Hauptsache dabei – alles war vertreten. Entsprechend herrschte auf dem Gelände ein ziemliches Gewusel. Die Organisation war jedoch top, und man wurde ruhig und effizient in die jeweiligen Startblöcke geleitet.
Um 07:36 Uhr fiel der Startschuss. Los ging es.
In den ersten Kilometern war noch sehr viel Verkehr auf der Strecke, inklusive gewisser Staugefahr. Dadurch war es nicht einfach, die ursprünglich geplante Formation einzuhalten, und so war ich bald einmal auf mich allein gestellt und damit beschäftigt, mir meinen Weg durchs Feld zu bahnen.
Nach den ersten Kilometern lichtete sich das Feld etwas, und ich konnte ordentlich Tempo aufnehmen. Leider formierte sich zunächst keine grössere Gruppe, sodass ich mich von Gruppe zu Gruppe hangelte und dabei laufend Fahrer überholte.
Nach rund 20 Kilometern fanden sich dann vier ähnlich starke Fahrer zusammen. Wir rotierten sauber durch und machten richtig Tempo. Immer wieder schlossen wir so auf früher gestartete Startblöcke auf, was teilweise auch etwas offensivere Überholmanöver nötig machte. Dazu kam der Wind, der auf dieser Strecke keineswegs nur Freund ist und das Rennen zusätzlich härter machte.
Bis etwa Kilometer 90 funktionierte das sehr gut. Dann zerfiel unser mittlerweile auf drei Fahrer reduziertes Grüppchen. Ich musste abreissen lassen und die letzten knapp 20 Kilometer alleine bestreiten.
Das war nicht einfach. Ich war seit dem Start praktisch am Anschlag unterwegs und die Kräfte schwanden spürbar. Auf so einer Strecke allein gegen Wind und Müdigkeit zu fahren, ist nochmals eine andere Aufgabe. Gleichzeitig ist genau das auch ein Teil des Reizes – dranbleiben, durchziehen, nicht nachlassen.
Im Ziel stoppte die Uhr bei 3:04 Stunden. Das bedeutete in meiner Altersklasse Platz 66 von 1805 – also durchaus ein passables Resultat.
Im Nachhinein erfuhr ich dann noch, dass dieses Resultat zur Qualifikation für die UCI Gran Fondo Weltmeisterschaft 2026 gereicht hätte. Da diese jedoch in Japan stattfindet, wohl eher ohne meine Anwesenheit :-)
Am Abend hiess es dann, gemeinsam das Abschiedsessen im Black Sheep einzunehmen. Dort, wo wir die Reise kulinarisch begonnen hatten, endete sie auch. Ein schöner Schlusspunkt und so schloss sich der Kreis.
Es hiess Abschied nehmen von Kapstadt, von der Gruppe und von einer Reise, die sportlich, landschaftlich und organisatorisch wirklich viel geboten hat.
10. Tag – Abschied von Kapstadt
Der Abreisetag war gekommen, doch da mein Flug erst um 20:10 Uhr ging, blieb zum nochmals etwas Zeit, Kapstadt zu geniessen.
Nach dem Frühstück hiess es zuerst zusammenpacken. Das Rad wurde wieder reisetauglich gemacht und sorgfältig im Evoc Bike Bag Pro verstaut. Danach auschecken, immer ein etwas ernüchternder Moment, weil spätestens dann klar ist, dass sich die Reise dem Ende zuneigt.
Ich entschied mich, die verbleibende Zeit noch einmal an der Waterfront zu verbringen. Ein letztes Mal durch die Geschäfte schlendern, die letzten Souvenirs kaufen und die besondere Atmosphäre dieses Ortes aufsaugen. Nach einem letzten Lunch an der Promenade ging es zurück ins Hotel, bevor es langsam, aber sicher Richtung Flughafen weiterging.

Der Flug hob pünktlich in Richtung Zürich ab.
Leider vergingen diese letzten, sehr erlebnisreichen Tage viel zu schnell. Rückblickend war die Reise ein rundum gelungenes Gesamtpaket, und ich kann das gebotene Programm von quäldich.de uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein super Mix aus Land und Leute kennenlernen, sportlicher Herausforderung und interessanten Begegnungen.
An dieser Stelle auch ein grosses Dankeschön an Jan, CEO von quäldich.de und Organisator dieser Reise. Was er gemeinsam mit seinem lokalen Team auf die Beine gestellt hat, war einfach top. Man spürt in vielen kleinen Details, mit wie viel Leidenschaft er das Radfahren lebt und genau das macht am Ende den Unterschied.
Kapstadt und diese Reise werden mir in bester Erinnerung bleiben.



































































































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